Die Evangelische Kirchengemeinde Istha -

Geschichte und Gegenwart


(C) Menhir von Istha
(C) Menhir von Istha

Istha ist eine sehr alter Siedlung, wahrscheinlich wurde der Ort noch vor dem 4. Jahrhundert gegründet. Für diese Annahme spricht; dass Istha auf einer von z.T. mit Lößlehm überzogenen Verebnungsfläche am Südhang des Isthaberges gelegen ist. Solche Böden wurden oft schon in vorgeschichtlicher Zeit ackerbaulich genutzt. Auch ein Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gemachter Bodenfund bei Istha deutet auf die alte Besiedlung hin. Ein Landwirt fand in der Gemarkung im Bereich der „Schafwäsche“ einen ca. 1,50 m hohen Stein, in dem geheimnisvolle Zeichen eingeritzt bzw. gehauen waren. Dieser Menhir von Istha steht heute im Heimatmuseum in Wolfhagen. Experten der Vor- und Frühgeschichte ist es bis heute nicht gelungen, die Bedeutung dieses Steines zu enträtseln. War es eine Art Grenzstein oder war er ein Hinweis auf einen Kultplatz? Sicher ist nur, dass es sich hier um einen sehr alten Fund handelt.

 

 

Istha selbst wird erstmals 1123 als „Iside“ in den Urkunden des Klosters Hasungen erwähnt. Später wird es dort als „Isithe“ (1180), Iste (1253), Hyste (1258) und auch als Yste geführt.

 

„IS“ scheint die Stammsilbe dieses Wortes zu sein und entspricht damit unserem heutigen Wort „EIS“. Istha kann man daher als das „Eisige“ übersetzen. Das deutet daraufhin, dass den Namensgebern schon damals die im Vergleich zu den Nachbardörfern kältere Lage des Ortes am Fuße des gleichnamigen Berges bewusst war. Istha liegt direkt nördlich an der alten Sprachgrenze zwischen dem niedersächsischem und fränkischem Sprachraum. Das Isthaer Platt trägt deutlich niedersächsischen Einschlag und unterscheidet sich von den fränkischen Zügen des Dialektes des 3 km südlich gelegenen Ortes Balhorn.

 

 

Während Istha seiner Mundart nach eindeutig dem niedersächsischen Sprachgebiet zuzuordnen ist, zeigt seine kirchliche Einordnung genauso klar seine frühe Zugehörigkeit zum fränkischen Hessen. Es war dem alten Archipresbyteriat Schützeberg, einem der 9 Archidekanate Fritzlars, unterstellt. Der Kirchzehnt unterstand dem Stift Fritzlar. Das Kloster Hasungen hatte schon 1253 Besitz in Istha, ohne dass das Dorf als Hasunger Besitz anzusehen gewesen wäre. Istha hatte vielmehr eine herausgehobene Stellung als selbstständiger Gerichtsort für die umliegenden, jetzt meist wüsten Ortschaften. Nach der Auflösungen des Erzstiftes Schützeberg gehörte Istha zur Vogtei und Amt Wolfhagen.

Schon 1524 wurde Istha reformiert.

 

1537 zählte Istha 61 Häuser, 1585 65 Hausgesessene und 1747 97 Haushaltungen. Istha litt wie der gesamte nordhessische Raum besonders unter den Verheerungen der großen Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts. Eine besondere Rolle spielte hier immer schon die verkehrsgünstige Lage des Ortes als Knotenpunkt verschiedener Verkehrswege. Von der Stadt Wolfhagen wird berichtet, dass die Bevölkerung durch den Dreißigjährigen Krieg drastisch gesunken war. Ähnliches ist wohl auch für Istha anzunehmen.

Magister Georg Kessler, von 1606 – 1635 Pfarrer in Istha, berichtet folgendes:

 

„1622, d. 17. Mai zu Mittag um 11 Uhr ist das Cölnische und Baierische Kriegvolk in das Dorf Istha gefallen, wie Maikäfer, und alles weggeraubet, was sie nur funden, an Geld, Linwand, Kleidern, Kleinodien, wie auch sei haben mir sich geführet 92 Pferde...“ 

 

Im Mai 1632 musste die Bevölkerung vor den einrückenden Soldaten auf den Isthaberg flüchten, wo „des morgens zwei Kinder begraben werden mussten“.

 

Am 16. August 1637 verwüsteten die Soldaten des Obersten von Plettenberg das Dorf Istha. „Viele Einwohner wurden ermordet, andere, die sich auf den Kirchturm geflüchtet hatten, durch unten angezündetes Feuer erstickt“. Der Aufbau gestaltete sich wie überall sehr schwierig. Von den Aktivitäten der Kirchengemeinde wissen wir durch

 

Ludwig Bernhardi, der von 1648 – 1696 Pfarrer in Istha war, dass ....

1651 durch Spenden mehrere Abendmahlsgeräte angeschafft wurden.

1655 die in den letzten Kriegsjahren abgebrannte Pfarrscheune wieder aufgebaut wurde.

1675 das Schulhaus (im Winkelweg, Ecke Lutherplatz, damals „Spüle“ genannt) errichtet wurde (die heutige „Alte Schule“ wurde 1880 gebaut)

1680 – 1690 das neue (heutige) Pfarrhaus gebaut wurde.

 

Von den Leiden der Bevölkerung im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) berichtet ausführlich und eindringlich die Chronik des Pfarrers Johann Georg Fülling Er hat auch sehr anschaulich über die Folgen des Krieges berichtet.

 

Das Dorf war häufig von Bränden heimgesucht worden. Der letzte große Brand war gegen Ende des 19. Jahrhunderts, ihm fielen zahlreiche Häuser zu Opfer. Das älteste und am vollständigsten erhaltene Gebäude ist das Pfarrhaus (erbaut 1680 – 1690). Auch die Kirche, insbesondere das Kirchenschiff wurde zwischen 1743 und 1747 umgestaltet. Die jetzige Eingangspforte wurde 1750 geschaffen.

 

Istha gehörte sicher nie zu den reicheren Bauerndörfern, wie wir sie z.B. aus anderen Teilen Hessens (Raum Fritzlar) kennen. Dennoch scheinen die meisten Menschen hier in früherer Zeit ein leidliches Auskommen gefunden zu haben. Auswanderer hat es im 19. und 20. Jahrhundert auch in Istha gegeben. Von den regelrechten Auswanderungswellen ist Istha weiniger berührt worden. Zwischen 1852 und 1866 wanderten 4 Personen nach Amerika aus. Im gleichen Zeitraum waren es z.B. in Burghasungen (kleiner als Istha und landwirtschaftlich schlechter dastehend) 21 Menschen, die sich in der neuen Welt eine bessere Zukunft erhofften.

 

Auch in Istha reichte für viele kleinbäuerliche Familien der Ertrag ihrer Landwirtschaft nicht aus. Viele verdienten sich ein Zubrot, indem sie nebenberuflich einen erlernten Handwerksberuf ausübten. Viele noch gebräuchliche Hausnamen erinnern daran: Schusters, Schrieners, Schneiders, Burenschnieders, Lenz-Schmedd.

 

Mit Beginn des industriellen Zeitalters (Mitte des 19. Jhs. entstanden in Kassel z.B. die Henschel-Werke) suchten sich auch viele Isthaer Arbeit in den Fabriken der Städte. Noch Mitte der fünfziger Jahre lebten in Istha Männer, die in ihrer Jugendzeit zu Fuß zur Arbeit („an den Bau“) gegangen waren, die Woche über in Kassel in provisorischen Unterkünften (oft an der Baustelle) verbrachten und nur über Sonntag nach Hause kamen. Welch ein Segen war es da, als im September 1897 die Bahnstrecke Wolfhagen – Kassel in Betrieb genommen wurde. Man brauchte nur noch bis Altenhasungen zum Bahnhof zu laufen und fuhr dann „bequem“ und schnell Vierter-Klasse nach Kassel. Bauern konnten jetzt ihre Erzeugnisse (Butter, Wurst, Eier, Geflügel usw.) nach Kassel auf den Markt oder direkt zum Kunden bringen.

Noch besser war man dran, als noch vor dem ersten Weltkrieg die Buslinie Korbach – Kassel eröffnet wurde. Man hatte direkten Anschluß (ca. 1 Stunde Fahrzeit) nach Kassel.

Immer mehr Einwohner pendelten zwischen Kassel und Istha. Auf dem Wege gelangten auch Ideen, Vorstellungen gewerkschaftlicher Arbeit und Gedankengut der Arbeiterbewegung ins Dorf. Zwei Positionen prallten aufeinander: auf der einen Seite die durch die Landwirtschaft geprägten Einwohner und auf der anderen Seite diejenigen, die „mit der Tasche nach Kassel fuhren“, um sich dort ihr Geld zu verdienen. Jene blickten meist auf die Arbeiter herab. Oft gab es Konflikte, die mit handfesten Auseinandersetzungen endeten. Die Zahl der Landwirte ging damals schon langsam aber stetig zurück und der Anteil der Arbeiter in der Bevölkerung stieg. Eine Verschärfung dieser Situation trat ein durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Gegenseitiges Misstrauen ging nicht selten wie ein Riss durch manche Familien.

Während des Dritten Reiches hatten die „Braunen“ in Istha keine geringe Anhängerschaft. Ein Hinweis darauf ist das sogenannte Hitlerheim auf dem Kamp, das vor zwei Jahrzehnten zum Kindergarten umgebaut wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg lebte dieser Gegensatz bis in die fünfziger und sechziger Jahre weiter. Es gab die, die Istha als „Bauerndorf“ erhalten sehen wollten und die, die den Anschluss an die moderne Zeit einforderten, so z.B. auf die Ausweisung von Bauland drängten oder den Bau von Gemeinschaftseinrichten forderten. Bis heute ist in dieser Richtung in Istha ein gewisser Nachholbedarf gegenüber anderen Orten auszumachen.

In jüngerer Zeit sind die landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetriebe sehr stark zurückgegangen. Es gibt noch zwei im Dorf. Aber dieser Strukturwandel wird sich weiter fortsetzen. Damit einher geht nicht nur eine Veränderung an den Gebäuden (Scheunen und Stallungen werden zu Wohnungen oder Garagen umgebaut oder stehen leer und verfallen), sondern auch in der Feldflur (Flächenstilllegungen, Brachflächen, Feldholzinseln).

Eine große aber positive Veränderung hat der Bau der Umgehungsstraße Ende der 90-ger Jahre des letzten Jahrhunderts mit sich gebracht.

 

Vom Jahr 2000 bis 2007 gab es für Istha das Dorferneuerungsprogramm. Der Platz vor und hinter der Kirche wurde zur Dorfmitte umgestaltet. Die alte Dorfstraße ist zurückgebaut worden. Die Verlagerung des Verkehrs ist zum Segen für das Dorf geworden.

 

An dieser Stelle ist die gute Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde zu erwähnen. Probleme können in vielen Gesprächen und gemeinsam mit dem Ortsvorsteher angegangen und aus dem Weg geräumt werden. Bei allen Beteiligten ist das Bewusstsein vorhanden, gemeinsam etwas für das Dorf zu erreichen. Ganz besonders deutlich wird dies in der Arbeit der Friedhofsverwaltung. Auch die Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Vereinen klappt hervorragend. Bei den 2 bis 3 mal im Jahr stattfindenden Zusammenkünften der Vereinsvertreter ist die Kirchengemeinde vertreten und kann hier die eigenen Belange deutlich machen.